Karneval hat in unserer Gemeinde St. Elisabeth eine lange Tradition. In diesem Jahr stehen die Feiern unter dem Motto „Völlig losgelöst“. Doch nicht nur im Gemeindehaus, auch in der Kirche hält das jecke Treiben am Karnevalssonntag Einzug. Hier die „Bütten-Predigt“ von Pastor Koopmann und ein paar Impressionen aus der liebevoll geschmückten Kirche:

Karnevalssonntag 2023

„Völlig losgelöst von der Erde

schwebt das Raumschiff

völlig schwereloooooos“

Schwerelos, das wär´ ich gerne,

das Gefühl, das wäre schön.

Leicht und frei, wie unter die Sterne …

Aber: oft hab´ ich mich beschwert geseh´n.

Sehr irdisch und schwer erleb´ ich das Leben,

und manche haben „guten“ in Anführungszeichen Anteil daran gegeben.

Manchmal – Herr, verzeih, aber wen soll´t es verdrießen,

könnte ich genau die in die unendliche Weite des Weltraumes schießen.

+   Losgelöst von allen Menschlichkeiten

     wollen welche ihre Konflikte mit Waffen bestreiten.

     Wären sie doch völlig losgelöst von ihrem Machtapparat,

     wäre die Welt vor ihnen bewahrt.

+   Losgelöst von humanem Verstand

     wollen welche eine undurchdringliche Mauer ums europäische Land.

     Wären sie losgelöst von egoistischem Streben,

     könnten auch die Schwachen etwas besser leben.

+   Losgelöst davon, den Klimaschutz nach vorn zu begleiten,

     wollen welche kein Limit der Autobahnhöchstgeschwindigkeiten.

     Wären sie losgelöst vom PS- und Hubraumwahn,

      kämen wir mit dem Schutz der Umwelt deutlich besser voran.

        Und beim Losgelöst-sein, was soll ich sagen,

          da denk´ ich auch an die, die die kirchliche Robe tragen.

          Manche verharren in starrer römischer Kirchlichkeit,

          mit großem Abstand zur Lebenswirklichkeit.

          Sie verharren bei dem, was Cowboy John Wayne einst beschlossen,

          als er im Western rief: „Wer sich bewegt, der wird erschossen!“

Wer sich bewegt auf synodalen Wegen,

          der kommt den Rückwärtsgewandten ungelegen.

Deren starre Haltung, die löst sich wohl nicht,

          d´rum lösen sich viele selbst – beim Amtsgericht.

          Sie nabeln sich selbst ab von der kirchlichen Mutter,

          das Schwere sind sie los – alles in Butter.

          Aber so richtig, Supernova-mäßig Wirkung entfalten

          täte es nur, wenn ganz viele das „römisch-katholisch“ abschalten.

          Wir alle auf einmal, völlig losgelöst und frei,

          eine ganz neue Kirche – wär´t ihr dabei?

          Von Rom gelöst nach guter alter Luther-Art,

          das hätte doch was, das wär´ doch apart …

          Ein ganz neuer Anfang mit dem Galiläa-Mann:

          Wir fangen bei ihm / mit ihm ganz von vorne an.

          Vielfältig und bunt, Konfessionen abgeschafft,

          weihevolle Überheblichkeiten alle hinweggerafft,

          gleiche Rechte und Ämter für Männer und Frauen,

          mehr noch: für alle Geschlechter – könnten wir darauf nicht bauen?

          Ich meine:

Bei Wlan, Browsern und Routern, ihr wisst es, krieg ich nicht viel hin –

          Aber ist das nicht so: Das Steckerzieh´n macht manchmal Sinn …

          Phantasievoll kann man sich diesen Träumen hingeben,

          jedoch: sie sind wohl zu losgelöst vom echten, vom wirklichen Leben.

          Nun, mein Gott, das will ich jedenfalls wagen,

          und dir zu diesem Thema folgendes sagen:

Hilf uns, Herr, das Herz zu lösen,

                    los vom Dunklen, los vom Bösen.

                    Nicht völlig losgelöst vom Leben,

                    lass uns so ein kleines bisschen schweben:

                    Ein bisschen

                    losgelöst von Traurigkeit,

                    losgelöst von Schuld.

                    Losgelöst von Selbstmitleid,

                    losgelöst von Ungeduld.

                    Losgelöst von Eitelkeiten,

                    losgelöst von Frust,

                    losgelöst von Streitigkeiten,

                    und erfüllt von Lust

                    sich leidenschaftlich festzumachen

                    an Liebe, Glauben, Mitgefühl,

                    und an dem Mut, auch dann zu lachen,

                    wenn man doch lieber weinen will.

                    Dann wären wir – ein bisschen – losgelöst vom irdischen Gewimmel,

                    und – wohltuend – schwebend Richtung Himmel.

          „Helau!“ – für die karnevalistischen Herren und Damen.

          Und für die Frommen unter euch: „Amen.“

          (M.K.)

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