Pfarreientwicklungsprozess St. Nikolaus – Erste Abstimmung über die Standortentscheidungen

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02.07.2017 ARCHIV PFARREI ST.NIKOLAUS (2008-2021)

1 Vorgeschichte

Am 1. April 2008 wurde aus den acht Pfarreien und Gemeinden St. Albertus-Magnus, St. Anno, St. Elisabeth, Hl. Geist, St. Joseph, St. Nikolaus, St. Winfried und Hl. Schutzengel die Pfarrei St. Nikolaus gebildet und damit das sogenannte Zukunftskonzept des Bistums Essen umgesetzt. Eine pastorale Einheit mit rund 23.000 Katholiken mit drei Gemeindekirchen, drei Filialkirchen und zwei weiteren Kirchen im Essener Norden war entstanden.

Die Herausforderungen, vor denen die Kirche in Deutschland steht, sind auch bei uns deutlich erkennbar. Vermehrt machen sich in diesem bunt gemischten sozialen Umfeld die damit einhergehenden Herausforderungen und insbesondere der demographische Wandel bemerkbar. In den letzten zehn Jahren seit Pfarreigründung hat sich die Zahl der Katholiken um mehr als 10% reduziert, hauptsächlich verursacht durch die schrumpfende Bevölkerung, aber ebenfalls durch Kirchenaustritte. Gehen wir mit diesem Vergleich weiter zurück, sehen diese Zahlen noch drastischer aus. Nahmen im Jahr 1980 an einem Wochenende noch rund 4.500 Menschen am Gottesdienst teil, so sind es heute noch 1.500.

So waren wir seit einigen Jahren von diversen Veränderungen betroffen, die unter anderem die Gottesdienstordnungen, andere organisatorische Abläufe und inhaltliche Akzente bzw. Projekte umfassten. Über Jahre hinweg reduzierten sich auch finanzielle Spielräume, und notwendige Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden mussten aufgeschoben werden. Es war daher vielen Mitgliedern in den Gremien unserer Pfarrei seit längerem klar, dass wir auf verschiedenen Ebenen eine Veränderung herbeiführen müssen, um finanziell überlebensfähig und spirituell zukunftsfähig zu werden. Der Pfarreientwicklungsprozess des Bistums hat uns geholfen die notwendigen Diskussionen zu strukturieren und zeitlich zu planen. Die im Folgenden beschriebene Standortentscheidung ist nicht die Entscheidung für das Votum, sondern nur ein Baustein darin!

2 Entscheidung

Nachdem die Koordinierungsgruppe die Zukunftsvorstellungen aus den zwei Pfarreiversammlungen und den gebildeten Arbeitsgruppen ausgewertet und mit Kosten versehen hatte, entstand ein Entwurf des Zukunftskonzeptes für die Pfarrei St. Nikolaus. In dem Konzept wurden weiterhin die Ergebnisse aus dem Treffen zu pastoralen Themen mit dem Pfarrgemeinderat, der Zustand der pastoral genutzten Gebäude und der zukünftige Finanzrahmen der Pfarrei berücksichtigt.

In getrennten Sitzungen haben sich dann Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat mit den Argumenten der Koordinierungsgruppe auseinandergesetzt und sehr lange und kontrovers diskutiert. Der Vorschlag der Koordinierungsgruppe wurde mehrheitlich angenommen. Es gab zahlreiche sehr verschiedene Gründe, die zur Entscheidung geführt haben, nur einige können hier benannt werden.

Die pastorale Vision beruht auf den vier Leitsätzen, die wir bereits am Anfang des Prozesses in einer Pfarrversammlung erarbeitet hatten:

  1. Unsere Kirche möchte nah sein
  2. Wir wollen gemeinsam Aufbruch gestalten
  3. Wir möchten uns den Menschen in der Umgebung zuwenden
  4. Wir möchten die Nähe Gottes erfahrbar machen

Mit Mut zum Aufbruch haben wir uns dazu entschlossen, spätestens im Jahr 2030 Gottesdienste an einem Hauptstandort in der Kirche St. Joseph zu feiern. Grundlage für diese Entscheidung ist maßgeblich der enge finanzielle Spielraum, der uns nur erlaubt, eine historische Kirche zu finanzieren. Der Standort St. Joseph kann darüber hinaus ohne Sanierung von Kirche oder Gemeindezentrum durch die Pfarrei genutzt werden. Darüber hinaus reifte aber in der Koordinierungsgruppe, dem Pastoralteam und den Gremien die Erkenntnis, langfristig Seelsorge nicht in der gleichen Weise wie in den Jahren zuvor umsetzten zu können, sondern gemeinsam zu versuchen, gemeindeübergreifend zu denken. Uns verbindet hier die Hoffnung und Erwartung, dass es nicht die einzelnen Kirchenräume sind, die uns als Christen den Weg zum Gottesdienst und zu Veranstaltungen nehmen lassen, sondern die Begegnung untereinander, das gemeinsame Tun und der christliche Glaube. 

Für die Zukunft der gemeindlichen Standorte hat sich die Koordinierungsgruppe darauf verständigt, dass in jeder der drei Gemeinden mindestens ein pastoral genutztes Gebäude langfristig gesichert sein soll. Wir wollen speziell auch in den vier Stadtteilen unserer Pfarrei als Kirche präsent sein. Dies sollen folgende Gebäude sein:

  • Stoppenberg: Ökumenisches Gemeindezentrum in Kooperation und gemeinsamer Trägerschaft. Die evangelische Thomasgemeinde hat Interesse daran.
  • Schonnebeck: Gemeindezentrum St. Elisabeth in Trägerschaft des Kirchbauvereins
  • Frillendorf: Haus Waterfohr in Trägerschaft des Haus Waterfohr e.V.
  • Katernberg: Gemeindezentrum St. Joseph in Trägerschaft der Pfarrei

Leider gehörte es auch zu den Aufgaben der Koordinierungsgruppe einen Vorschlag zu machen, der aufzeigt, welche Orte die Pfarrei in naher Zukunft und spätestens bis 2030 nicht mehr finanzieren kann.

Schweren Herzens haben wir uns dafür entschieden, unsere jetzige Pfarrkirche nicht mehr gemeindlich zu nutzen. Letztlich ausschlaggebend war, dass das Gemeindezentrum vollständig saniert oder neugebaut werden müsste, da es in einem baulich sehr schlechten Zustand ist. Eine so große Investition macht im Rahmen des Sparkonzeptes keinen Sinn. Wir erachten eine Kombination aus Kirche und Gemeindezentrum für pastoral notwendig. In unmittelbarer Nähe der St. Nikolaus-kirche befindet sich die Karmelkirche, wo täglich Gottesdienste stattfinden.

Ebenso können wir leider die Erhaltung der Kirche St. Elisabeth dauerhaft nicht mehr sicherstellen, weil die Sanierung eine sehr erhebliche Summe kosten würde.

Die Konzentration auf einen Kirchenstandort bedeutet zu unserem Bedauern ebenfalls, dass wir die Filialkirchen Hl. Geist und Hl. Schutzengel nicht mehr gemeindlich nutzen werden.

Ein Zeitplan zur Umsetzung der räumlichen Veränderungen muss in den nächsten Monaten ausgearbeitet werden. Wir gehen zurzeit davon aus, dass es ab 2020 erste Veränderungen geben wird, diese sind aber immer auch abhängig von Interessenten und Investoren.

Mit Blick auf das Personal in der Pfarrei plant die Vorlage der Koordinierungsgruppe eine Personalreduzierung über den Renteneintritt ein. Bis 2030 sollen so noch etwas mehr als zwei Beschäftigungsumfänge eingespart werden.

Schritte in die Zukunft bedeuten Abschied und Aufbruch, das ist in jeder Familie sichtbar, in jedem Leben spürbar. Veränderungen haben zunächst immer etwas mit Abschied zu tun. Abschied tut weh, wie wir nur allzu gut wissen. Veränderung heißt aber auch Neubeginn, es wird etwas Neues entstehen.

Pfarrversammlung mit neuen Informationen und Austausch: 18.9.2017, 19.30 in der Kirche St. Elisabeth.

Die Koordinierungsgruppe in Abstimmung mit dem Pfarrgemeinderat, dem Kirchenvorstand und dem Pastoralteam

Hier der Text zur Abstimmung zum Downloaden

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